Das Beste aus dem "Asgard Länderspiel" - Teil 1
Diese Texte stammen aus einem alten Projekt, das zahlreiche andere Personen und ich im Jahre 1995 am Gymnasium verfolgt haben. Wir haben eine Art Rollenspiel gestartet, das jedoch größtenteils schriftlich ablief. Jeder Spieler war Fürst eines Landes. Er musste sich den Problemen im In- und Ausland stellen und gleichzeitig auch möglichst viel von seinem Land berichten. Die Idee war, dass am Ende eine perfekt ausgearbeitete Fantasy-Welt entstehen würde.
Das ganze Projekt dauerte rund anderthalb Jahre und hatte Hunderte von Seiten Text zur Folge. Anbei ein Ausschnitt aus diesen Texten.
Kapriolen des Wetters
Anfang des Monats erfreuen sich die Menschen am warmen Sonnenschein, der nur selten durch Regenfälle unterbrochen wird.
In der zweiten Woche ziehen jedoch tiefschwarze Wolken aus dem Westen auf und ein starker Wind treibt die Bevölkerung zurück in ihre Häuser. Während man sich es drinnen gemütlich macht, beginnt draußen ein schwerer Regen.
Der anfangs noch leichte Sturm wandelt sich zum ohrenbetäubenden Orkan und spritzt unglaublichen Wassermassen an die Scheiben der Häuser und lässt das Gebälk der Dächer bedrohlich ächzen. Die Nacht wird erhellt von unzähligen Blitzen und das Unwetter scheint Stunde um Stunde an Kraft zu gewinnen. Dachschindeln werden abgehoben, alte Scheunen stürzen ein, Bäche treten über die Ufer und Schiffe werden gegen die Kaimauern geschleudert. Regen tritt durch die nun undichten Dächer ein. In der Ferne sind Bäume zu sehen, die durch Blitze in Brand gesteckt wurden. Ängstlichere Menschen kauern sich unter den Tischen zusammen, da ihr Haus ihnen nicht mehr Sicherheit bieten zu können scheint. Türen werden unter dem ungeheuren Druck des Sturmes aus den Angeln gerissen. Scheiben bersten. Und mit einem Mal ist alles vorbei, als sei nie etwas geschehen...
Das Kaiserreich träumt von Fliegen
Das Projekt „Adlerflug" hat einen ersten Erfolg erzielt (Kosten: 50 Goldtalente): nach nächtelanger Arbeit steht der erste Prototyp eines kargadisischen Segelfliegers bereit!!!
Auf einem stabilen Gerüst aus Eiche sind dünne Papierbahnen aufgeheftet. Das gesamte Gestell ähnelt in der Form den ausgestreckten Flügeln eines Vogels und wurde sogar schon bemalt. Der „Kapitän" des Fluggerätes hängt in einem komplizierten Gehänge aus Lederschnüren unter den „Flügeln" und steuert das Ganze durch Gewichtsverlagerung. Auf einen Antrieb hat man noch verzichtet, da man zunächst die Flugfähigkeit des Seglers ausprobieren wollte. Ein mutiger Soldat hat sich freiwillig als Pilot gemeldet. Natürlich erst nachdem die Wissenschaftler ihm versichert haben, dass das Gefährt auch wirklich fliegt.
Gestartet wird auf dem höchsten Turm der Stadtmauer. Er steht der oberhalb der Klippen und bietet somit genügend Höhe für einen ausgiebigen Testflug. Gelandet wird schließlich im Meer. Mehrere Schiffe stehen bereit, um den Piloten aufzunehmen. Tausende von Schaulustigen haben sich auf die Stadtmauer begeben, um dem Beginn einer neuen Ära beizuwohnen. Gottkaiser Beric selbst beglückwünscht den mutigen Piloten, als dieser durch die jubelnde Menge auf den Turm zugeht, wo der Segler schon bereit steht. Einige Minuten später hat sich der Pilot in das Gehänge des Seglers eingeklinkt. Alles ist für den Start vorbereitet.
Magnesiumblitze erhellen den Turm. Auf das Zeichen des Kaisers erhebt sich der Flieger in die Höhe. Ja er fliegt!! Die Menge jubelt. Beric fällt der Unterkiefer vor Staunen bis zwischen die Knie. Der Adler fliegt... aber nur für eine Sekunde.
Das Papier zerreißt und das Fluggerät und sein Pilot stürzen wie ein Stein die Klippe hinunter. Torkelnd wird das Fluggerät durch den starken Wind immer weiter abgetrieben und driftet immer mehr in Richtung Hafeneinfahrt ab. Dort nähert sich gerade einer der Handelssegler aus Dakien, der es mit Müh und Not durch den schweren Sturm geschafft hat. Der Pilot sieht das das eichene Deck des Schiffes plötzlich in seiner Flugbahn. Ein Aufschrei der Angst gefolgt einem markerschütternden Brechen und Knirschen. Krach!!!
Der Aufschlag des Fliegers auf das Schiffsdeck beendet vorerst den Traum Kargads von Menschen mit Flügeln. Das dakische Schiff sinkt mit allen Waren und der gesamten Besatzung. Keiner konnte sich retten.
Beric fällt deprimiert auf die Knie, die Bevölkerung verlässt murmelnd die Stadtmauer und die Wissenschaftler sind schon über alle Berge.
Der geheimnisvolle Fund
Der Turm wurde vollständig aus den Felsen herausgeschlagen. Von Innen ist er wundervoll mit Malereien verziert. Die Fresken illustrieren die Geschichte eures Volkes. Einst scheint ihr in einem Land gelebt zu haben, das von Sonnenschein erfüllt war. Ein Land voller Felder und großer Ziegenherden, das seine Bewohner mehr als genug versorgen konnte. Dennoch war die Idylle nicht vollkommen. Riesige Heere kleiner Zwerge mit verzerrten Gesichtern und schrecklichen schwarzen Waffen griffen immer öfter an und drängten die Menschen langsam aber sicher zurück. Schließlich blieb euren Vorfahren nur noch die Flucht in ein anderes Land.
Sie erbauten riesige Schiffe und verließen ihr Land, um nach vielen Entbehrungen schließlich hier anzukommen. Scheinbar war eines der letzten Opfer dieser Reise ausgerechnet der Mann, der den ganzen Plan zur Flucht gefasst und sein Volk schließlich hierher geführt hatte. Ihm zu Ehren wurde dieser Turm errichtet. Er selbst soll in seinem Inneren begraben sein.
Am Ende des Ganges findet ihr eine breite Wendeltreppe, der ihr nach unten folgt. In der unteren Etage des Turmes kommt ihr nach dem Öffnen einer Tür in das Innere einer großen Halle. An ihrem Kopfende steht ein marmorner Thron. Auf dem Thron finden sich nur noch die Reste eines Skeletts. In seinen verfallenen Händen ruht ein großes, unirdisch silbern glänzendes Schwert. Das Schwert ist schmucklos gestaltet. Auf beiden Seiten wurde oberhalb des Heftes das Abbild eines goldenen Kreises eingearbeitet, der von einem katzenartigen Tier gehalten wird. Den Schwertknauf selbst ziert ein großer geschliffener Diamant.
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© Stefan Plogmann, 1996-2008
