Das Beste aus dem "Asgard Länderspiel" - Teil 2
Diese Texte stammen aus einem alten Projekt, das zahlreiche andere Personen und ich im Jahre 1995 am Gymnasium verfolgt haben. Wir haben eine Art Rollenspiel gestartet, das jedoch größtenteils schriftlich ablief. Jeder Spieler war Fürst eines Landes. Er musste sich den Problemen im In- und Ausland stellen und gleichzeitig auch möglichst viel von seinem Land berichten. Die Idee war, dass am Ende eine perfekt ausgearbeitete Fantasy-Welt entstehen würde.
Das ganze Projekt dauerte rund anderthalb Jahre und hatte Hunderte von Seiten Text zur Folge. Anbei ein Ausschnitt aus diesen Texten.
Anschlag auf den Hochkönig
Das Meer scheint sich über dem Kopf des Hochkönigs auszuleeren, als er nachts bei schwerem Regen zusammen mit Lord Gunther und der persönlichen Leibwache aus der Burg von Haven tritt. Die Festung ist wie durch ein Wunder der Zerstörung durch das Feuer entgangen ist. Um den Hochkönig und seine Begleiter findet sich nichts als verbrannte Häuser und rauchende Ruinen.
Erschüttert wendet sich der König vom Bild der Zerstörung ab. Er erinnert sich an seinen nächsten Termin: Eröffnung des neuen Krankenhauses von Haven, das ihm persönlich aus Dank für die Befreiung gewidmet ist. Ein Schaudern durchfährt ihn, als er an die sicherlich zahlreichen Reden und das viele Essen auf dieser Eröffnung denken muss. Zahlreiche hochrangige Offiziere und reiche Händler werden der Zeremonie beiwohnen.
Quer durch die von der Dunkelheit der Nacht eingehüllte Stadt geht es zum Ort der Feierlichkeiten. Viele Bürger haben sich bereits zur Ruhe gelegt und es ist angenehm still. Der Hochkönig ist dankbar für einen Fußmarsch nach dem anstrengen Programm voller Bankette und Empfänge. Je näher die kleine Truppe jedoch dem neuen Krankenhaus kommt, desto mehr weicht die Ruhe den Geräuschen einer dunderländischen Musikkapelle, die den Besuchern der Eröffnung den Abend angenehmer machen soll.
Die Straßen füllen sich mit Offizieren in ihren blanken Rüstungen, die verzweifelt dem Regen entkommen wollen. Alle scheinen sich auf das bevorstehende Fest zu freuen und zeigen fröhliche Gesichter.
Plötzlich erfüllt der Schrei einer Frau die abendliche Nacht. Soldaten zeihen ihr Schwerter und beginnen wild zu schreien. Einige Leibwächter stürzen auf den König zu. Sie wollen ihn vor einer Gefahrt beschützen. Auf dem Dach eines gegenüberliegenden Hauses glaubt der Hochkönig nach einem Moment der Verwirrung die Ursache des Tumultes gefunden zu haben. Ein Mann zielt mit einer Armbrust in seine Richtung.
Das dumpfe Geräusch einer vorschnellenden Sehne scheint alle anderen Geräusche auf der Straße zu übertönen. Im nächsten Moment spürt König Dunder in seiner Seite einen ziehenden Schmerz. Bevor er sich seiner Situation bewusst werden kann, wird er von einem Leibgardisten zu Boden gerissen, der sich vor den König werfen wollte.
Die Welt scheint vor Dunders Augen zu verschwimmen und es wird dunkel...
Raub eines Gottkaisers
Beric glaubt nach dem Scheitern der Aktion „Angeln" erneut, dass sich die ganze Welt gegen ihn verschworen hat. Nichts aber auch gar nichts scheint zu funktionieren.
Er kehrt zurück in seinen Palast, der mehr einer Baustelle gleicht, als der Residenz des allmächtigen Herrschers von Kargad. Ermüdet legt sich der gottgleiche Fürst auf sein mit Samt überzogenes Bett und scheucht alle Diener hinfort. In der unmittelbaren Nähe seines Gemaches scheint eine Wand eingerissen zu werden. Trotz des Lärms gelingt es Berich im diffusen Licht seines abendlichen Schlafzimmers einzuschlafen und sich langsam von seinen Strapazen zu erholen
Er erwacht erst, als zu fühlen glaubt, wie er sanft aber bestimmt in die Höhe gehoben wird. Als er eins seiner beiden Augen öffnet, sieht er unter sich das gewohnte seidene Kissen und die Decke mit Samtüberzug, die seinen gemarterten Körper vor der Kälte der Nacht schützt. Doch etwas ist seltsam. Die Wand scheint sich zu bewegen und die Decke scheint näher gekommen zu sein. Außerdem scheint sich das das kaiserliche Bett zu bewegen. Gerade ist der Kronleuchter knapp über Berics Kopf vorbei gezogen.
Abrupt richtet Beric sich auf. Er muss erkennen, dass er sich mit seiner Matratze und seinen Kuscheltieren fast zwei Meter über den Boden befindet. Rechts und links von ihm sind jeweils fünf Köpfe mit grünen Capes zu sehen.
Von aufkeimender Panik erfüllt begreift der Kaiser, dass zehn Grüne Reiter gerade im Begriff sind ihn und sein Bettgestell zu entführen. Als er hinter sich sieht, kann er auch noch den Rest seines Bettes sehen. Sie haben einfach den Teil ausgebaut, den sie nun auf ihren Schultern wegtragen. Bewusstlos liegen die Wachen vor der Tür, die den Schlaf ihres Kaisers normalerweise bewachen.
Noch haben die Grünen Reiter nicht bemerkt, dass ihr Opfer aufgewacht ist und ihren Plan durchschaut hat. Hierin sieht Beric seine Chance den Entführern zu entkommen.
Sein Schrei durcheilt den schlafenden Palast. Er ruft nach seiner Wache ruft und rollt sich gleichzeitig gekonnt vom Bett ab. Mit langen Schritten rennt er in in Richtung seiner persönlichen Waffenkammer.
Die Reiter sehen sich ertappt und lassen das Gestell des Bettes fallen. Zunächst versuchen sie den Kaiser zu verfolgen. Sie entscheiden sich jedoch zur Flucht, als dieser bewaffnet mit einem Breitschwert und 80 Soldaten im Rücken zurückkehrt.
Mit einem Kampfschrei nehmen Beric und seine Mannen die Verfolgung der Fliehenden auf. Weiter vorne im Gang ist ein Licht zu sehen, das aus dem Boden zu stammen scheint. Offenbar haben die Grünen Reiter durch irgendeinen geheimen Gang unter den Palast gelangen können, um sich dann nach oben durchzuarbeiten.
Viele der Grünen Reiter können noch im Gang von der Leibwache und dem rasenden Gottkaiser niedergestreckt werden. Die beiden letzten werden bis in ihren Geheimgang verfolgt, wo sie sich schließlich angesichts der Übermacht ergeben. Als man dem Geheimgang noch weiter folgt, wird von den Soldaten Berics das Versteck der Grünen Reiter gefunden. Weitere zwei Reiter werden gefangen genommen. Die anderen zehn sterben.
Das Versteck war durch eine einfache verschiebbare Geheimwand von der Kanalisation getrennt und konnte von außen nur durch Zufall entdeckt werden.
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© Stefan Plogmann, 1996-2008
