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Das Beste aus dem "Asgard Länderspiel" - Teil 3

Diese Texte stammen aus einem alten Projekt, das zahlreiche andere Personen und ich im Jahre 1995 am Gymnasium verfolgt haben. Wir haben eine Art Rollenspiel gestartet, das jedoch größtenteils schriftlich ablief. Jeder Spieler war Fürst eines Landes. Er musste sich den Problemen im In- und Ausland stellen und gleichzeitig auch möglichst viel von seinem Land berichten. Die Idee war, dass am Ende eine perfekt ausgearbeitete Fantasy-Welt entstehen würde.

Das ganze Projekt dauerte rund anderthalb Jahre und hatte Hunderte von Seiten Text zur Folge. Anbei ein Ausschnitt aus diesen Texten.

Der Untergang von Deryabar

Nach langen Vorbereitungen ist es Mitte des Monats endlich soweit: das große Fest der Krieger Ardens beginnt!!

In einer prachtvollen Parade ziehen der Kaiser und seine Leibgarde in das Amphitheater von Deryabar ein. Fast die gesamte Armee drängt sich auf den Rängen des kolossalsten Gebäudes in der Hauptstadt. Unter dem Gejubel ihrer Kameraden ringen die besten Krieger des Landes um die Meisterschaft, während in einem anderen Teil der riesigen Arena Schwertkämpfe ausgetragen werden. An die Zuschauer werden Wein und Speisen in kostenlos verteilt. Der Kaiser lässt sich bei der Bewirtung seiner Soldaten dieses Mal nicht lumpen.

Der zweite Tag der Festlichkeiten wird von zahlreichen Urteilsvollstreckungen bestimmt. Zum Tode Verurteilte werden hungrigen Bestien aus allen Teilen der Welt zum Fraß vorgeworfen oder dürfen von Freiwilligen aus dem Heer Ardens im Kampf getötet werden.

Als Höhepunkt hierbei muss man die Hinrichtung des Chefs der Abanasinischen Befreiungsfront ansehen. Hargh Tallarch persönlich hat sich bereit erklärt, diesen Verbrecher für seine unzähligen Morde an Soldaten Ardens zu bestrafen. Als sich beide gerade in der Mitte der Arena befinden und einander vorsichtig umkreisen, ertönt plötzlich ein lauter Kampfschrei von der Markise über der Loge des Kaisers. Ein Mann ist zu sehen, der oben auf dem Dach der Loge steht und mit einem einfachen Kurzbogen auf den Champion in der Arena zielt. An mehreren Stellen oberhalb der höchsten Ränge des Stadions tauchen weitere Männer auf und rufen „Befreit Jan Tabar, tötet die Ochsenköpfe". Hargh Tallarch wird getroffen und sinkt verletzt zu Boden.

Als die Minotauren dies sehen, ziehen sie wilder Raserei ihre Waffen. Sie verfolgen die Angreifer über die Ränge der Arena hinweg. Alles wird niedergerissen, was bei ihrer Verfolgung im Wege steht. Einige springen hinab in die Arena und massakrieren den Anführer dieser Terroristen.

Kaiser Gorrik befiehlt, dass die Verbrecher verfolgt und gestellt werden sollen Sie sollen für den Anschlag auf den Champion bezahlen. Es scheint damit bewiesen zu sein, dass sie auch für den heimtückischen Anschlag auf den Kaiser verantwortlich sind.

Gerade, als die Minotauren das Amphitheater verlassen wollen, dringt eine weitere Schreckensnachricht zu ihnen vor. Der neu errichtete Stahl-Hochofen wurde durch einen Anschlag der Terroristen zerstört und ist zusammengestürzt. Teile des Stadtviertels, in dem der Ofen gestanden hat, sind durch die freigesetzte Glut in Brand gesteckt worden. Die Feuerwehr und die Stadtwachen von Deryabar bemühen sich verzweifelt das Feuer unter Kontrolle zu halten, das sich über die trockenen Hausdächer in diesem Stadtteil mehr und mehr ausbreitet. Angeblich soll auch der Kaiserpalast in Gefahr sein.

In rasender Wut befiehlt der Kaiser nun ein rücksichtsloses Verhalten gegen jeden Menschen, der irgendwie verdächtig erscheint und möglicherweise ein Terrorist ist. Alle 15.000 Soldaten des Reiches beginnen mit der Durchsuchung jedes Hauses und gehen dabei nicht gerade freundlich vor. Einige weitere Häuser werden zerstört, als übereifrige Minotauren kurzerhand einfach die Wände einreißen.

Die Menschen in der Hauptstadt befürchten, dass der Zeitpunkt gekommen ist, den sie immer in ihren schlimmsten Alpträumen vorhergesehen haben. Die Minotauren scheinen sich jeglicher Kontrolle entledigt zu haben und gehen nun gewaltsam gegen die Menschen vor. Sie scheinen die Ausrottung aller Menschen in der Kaiserstadt zu planen.

Eilig werden kleinere menschliche Kampfkommandos gebildet, die häufig von ehemaligen Soldaten der Armee gestellt werden. Sie wollen die offensichtlich wahnsinnigen Minotauren aufhalten und der Bevölkerung die Flucht auf die Schiffe ermöglichen. Eines der ersten Angriffsziele der Menschen ist natürlich der Kriegshafen, wo derzeit alle Schiffe des Reiches ankern.

Zahlenmäßig weit überlegen, ist es den Menschen ein leichtes die Wachen in den Kasernen und auf den Schiffen zu überwältigen. Einige der mächtigen Galeeren des ardischen Reiches gehen jedoch in Flammen auf, da die Wachen die Schiffe nicht die Hände von Menschen geben wollen, die allen Anschein nach Terroristen sind. Es gelingt den Menschen dennoch mit etwa 10 Galeeren im Hafen abzulegen und in Richtung Hafentor zu rudern.

Die Wachen auf der Stadtmauer haben bereits den Überfall auf den Hafen bemerkt und eröffnen das Feuer auf die von vermeintlichen Terroristen gekaperten Schiffe. Drei der Galeeren sinken im Feuerregen der Katapulte. Der Rest kann sich durch die Verteidigungsanlagen schießen und das mächtige Hafentor durchbrechen.

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht vom Raub der Schiffe unter den Minotauren. Nun scheinen sich alle Menschen in Arden gegen ihren Herrscher und seine minotaurischen Gefolgsleute verschworen zu haben. Einige der Dukes des Heeres geben ihren Untergebenen den Befehl jeden Menschen zu inhaftieren oder bei Widerstand zu töten. Große  Truppenverbände werden auch in alle anderen Städte des Landes geschickt, um dort ebenfalls unter der Bevölkerung aufzuräumen.

Während einige Menschen sich schon auf hoher See befinden, beginnt ein Teil der Zurückgebliebenen mit Überfällen auf die zahlreichen Waffendepots in der Stadt. Das Feuer wütet unterdessen immer weiter. Die Verantwortlichen scheinen diese Gefahr vergessen zu haben. In einigen Stadtteilen versuchen die Menschen auch durch gezieltes Anzünden von Häusern einen brennenden Schutzring zwischen sich und den scheinbar wahnsinnigen und vom Blutrausch befallenen Minotauren zu bilden.

Immer mehr der minotaurischen Soldaten kommen zu dem Schluss, dass alles, was menschlich ist, automatisch ein Feind ist. Überall Brände und bewaffnete Menschen, die sich in Rudeln auf einzelne Minotauren stürzen.

Die Menschen sehen ihrerseits überall Brände und glauben, dass diese von den Ochsenköpfen gelegt wurden, um auch den letzten Menschen zu töten. Erinnerungen an die Gerüchte um die Geschehnisse bei Haven und die ständigen Ängste, dass die Minotauren eines Tages die alleinige Macht in Arden übernehmen könnten, verdrängen alle positiven Erinnerung an das vergangene Zusammenleben. Übrig bleiben die blanke Angst und der tierische Instinkt des Überlebens.

Im höchsten Stock des Hauptturmes im Palast kommt der Kaiser mit seinen Getreuen zusammen. Der Champion Hargh Tallarch liegt schwer verletzt auf einer Bahre in der Ecke. Kaiser Gorrik hat sich in einen der schweren Eichenstühle im Turmzimmer gesetzt und betrachtet durch eines der großen Fenster das Bild der Zerstörung.

Überall in dem riesigen Kreis der Hauptstadt sind Brände zu sehen. Schreiende Menschen rennen durch die Straßen. Minotauren zerschlagen alles, was ihnen in die Quere kommt. Dicker Rauch umhüllt den unbezwingbaren Granit des Turmes, als der Kanzler in das Turmzimmer gestürmt kommt.

„Gorrik!" - beinahe hysterisch schreit der Kanzler seinen Kaiser an: „Rufe Deine Soldaten zurück. Wir können es nicht zulassen, dass weiterhin ardische Soldaten ardisches Blut vergießen. Vergiss nicht, dass auch die Minotauren einstmals Menschen waren."

Mit einem lauten Aufschrei greift der Kaiser Jaspar Damrung an der Kehle und reißt ihn zu sich vor das offene Fenster. Unten tobt weiterhin die pure Anarchie in den Straßen der Stadt. In einer gleißenden Stichflamme explodiert im Süden der Stadt ein Teil der Kanalisation, als die fauligen Gase in ihrem Inneren entzündet werden. Das Feuer scheint nun auch in die unterirdischen Kammern der Stadt eingedrungen zu sein. Damit besteht eine sehr ernste Gefahr für die Fundamente der Hauptstadt. Nun ist selbst der Kaiserpalast vom Feuer bedroht."

„Siehst du dies dort unten Jaspar, Kanzler der Menschen, die uns so verraten haben. Ich habe weitgehenden Reformen zugesagt und ihr dankt dies mit Aufstand und Rebellion! Möglicherweise haben du und deine Leute die Terroristen selber in die Stadt geschmuggelt. Vielleicht waren es sogar keine Abanasinier, sondern Menschen aus Arden!?! Weißt du möglicherweise wer für den Anschlag auf mich verantwortlich ist?"

Benommen lässt Gorrik den Kanzler wieder frei. „Wen stört dies nun noch... Deryabar ist dem Untergang preisgegeben. Ich möchte nicht wissen, wie es in den anderen Städten des Reiches aussieht... Sind wir alle verrückt geworden oder wie konnte dies geschehen? Ich habe veranlasst, dass ich und meine Leibgarde zurück zum Goldenen Palast gehen werden. Jeder, der möchte, kann sich uns anschließen. Was du, Jaspar, und der Rest der Menschen macht, ist eure Sache. Die Schiffe sind bereits ausgelaufen oder zerstört. Ihr habt keine Möglichkeit euch aus Arden zurückzuziehen. Lebe wohl! Viel Glück in der ungewissen Zukunft."

Stumm und niedergeschlagen verlassen der Kaiser und sein Gefolge den uralten Palast der Herrscher von Arden. Die kaiserlichen Ställe haben bereits Feuer gefangen. Bald wird der gesamte Palast auch nur noch eine riesige Flammensäule im Meer der brennenden Häuser von Deryabar sein.

Am Horizont ist bei Anbruch der Nacht das Glühen unzähliger Feuer zu sehen. Kaiser Gorrik hat befohlen, dass alle Städte vernichtet werden sollen, denn die meisten Menschen sind entweder tot oder sind auf Schiffen in Richtung Knarros geflohen. Die Feinde Ardens sollen auf keinen Fall die Bauwerke und die technischen Errungenschaften des Minotaurenreiches in die Hände bekommen. Nichts als rauchende Ruinen und verbrannte Felder werden zurückbleiben.

Große Teile Deryabars sind eingestürzt, nachdem das Feuer das Fundament unterminiert hatte. Die zusammengefallenen Brücken der Städte am Fluss machen eine Schifffahrt auf dem unteren Teil des Großen Flusses unmöglich. Beinahe die gesamte Landwirtschaft wurde vernichtet, da Felder abgebrannt und Brunnen oft durch Verrückte vergiftet wurden.

Die Erdspalten, die vor einigen Monaten in der Nähe von Deryabar entdeckt wurden, sind durch die Explosionen in der Hauptstadt noch mehr aufgerissen worden. Gelbliche Schwaden dringen aus ihnen hervor. Sie rufen nach längerem Einatmen Übelkeit hervor.

Das ganze Land ist unbewohnbar. Alle Überlebenden haben ihre Heimat verlassen und sind in alle Himmelsrichtungen geflüchtet. Einzig die Mitglieder des Ardai-Ordens wollen weiterhin hier ausharren, um das Land vor Invasoren zu schützen. Gorrik der Eroberer überlässt den Ordenskriegern zu diesem Zweck den gesamten restlichen Staatsschatz von Arden, der aus dem brennenden Palast gerettet werden konnte.

Der Kaiser und sein Gefolge, sowie etwa 3.500 überlebende Minotauren ziehen nach Norden, um den sagenumwobenen Goldenen Palast zu finden.

Etwa 30.000 Menschen konnten an Bord von Fischerbooten, Kriegsgaleeren und allem andern, das irgendwie schwimmen kann, nach Südosten fliehen. Gerüchten zu Folge haben sie unter der Führung des ehemaligen Kanzlers die Insel der Halbriesen von Knarros erobert. Mehr als die Hälfte soll bei diesem Angriff jedoch ums Leben gekommen sein.

Wie ein Symbol verlorener Größe bleibt der mächtige Monolith im Zentrum der inzwischen vergangenen Stadt Deryabar stehen. Ein Monument der Stärke und Unvergänglichkeit, umgeben von Tod und Zerstörung...

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© Stefan Plogmann, 1996-2008

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