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Das Beste aus dem "Asgard Länderspiel" - Teil 5

Diese Texte stammen aus einem alten Projekt, das zahlreiche andere Personen und ich im Jahre 1995 am Gymnasium verfolgt haben. Wir haben eine Art Rollenspiel gestartet, das jedoch größtenteils schriftlich ablief. Jeder Spieler war Fürst eines Landes. Er musste sich den Problemen im In- und Ausland stellen und gleichzeitig auch möglichst viel von seinem Land berichten. Die Idee war, dass am Ende eine perfekt ausgearbeitete Fantasy-Welt entstehen würde.

Das ganze Projekt dauerte rund anderthalb Jahre und hatte Hunderte von Seiten Text zur Folge. Anbei ein Ausschnitt aus diesen Texten.

Bericht eines „Grünen Reiters"

Wir haben in letzter Zeit Dutzende von Angriffen auf verschiedene Städte oder Dörfer in diesem Teil des Kontinents durchgeführt. Ich selbst war bei einem Angriff auf ein kleines Dorf in einem Land im Norden dabei, das ebenfalls von Hobbits bevölkert ist.

Mein letzter Angriff ging gegen die Stadt Connyberry in Dunderland, doch alle meine Mitstreiter sind umgekommen. Ich bin der einzige Überlebende.

Fast alle von uns sind inzwischen tot, doch sie sind für eine gute Sache gestorben. Wir wurden in aller Welt rekrutiert, um gegen die korrupten Fürsten in Zentralasgard zu kämpfen. Ich selbst stamme aus Avis Villa.

Die Menschen in meinem Heimatland wollten alle Konflikte immer friedlich lösen. Sie wollten mit den verbrecherischen Herrschern der anderen Länder verhandeln, statt sie durch Männer oder Frauen des Volkes zu ersetzten.

Ich habe schon seit langem geglaubt, dass dies falsch ist. Also ergriff ich die Chance, als ich gefragt wurde, ob ich nicht ein „Reiter des Friedens" werden wollte.

Man brachte mich in eine Stadt namens Mirham. Dort erlernte ich die Kunst des Reitens und Kämpfens. Wir wurden zu Streitern des großen Salpikor, der sein ganzes Leben lang bis zum Tod für die Freiheit der Welt gestritten hat.

Otredos, unser Anführer gab uns dann den ersten Auftrag. Er brachte uns nach Dunderland, wo wir die Bevölkerung gegen den korrupten und machtgierigen König Dunder aufbringen sollten.
Wir führten Angriffe auf Scheunen, Felder und Bauernhöfe aus, um die Bevölkerung unzufrieden mit ihrem Herrscher zu machen. Sie hatten scheinbar noch nicht erkannt, welche Gefahr dieser Lügner für sie ist.
Stets haben wir versucht die Bevölkerung zu schonen. Niemand von uns darf einen Zivilisten töten, wenn er nicht von ihm mit Tötungsabsicht angegriffen wird. Jeder Verstoß gegen diese Regel wird hart bestraft. Wir wollen nicht die Bevölkerung töten. Nein, wir wollen sie aus ihrem Schlaf aufwecken. Sie sollen die Gefahr erkennen, die von ihren Herrschern ausgeht.

Der innere Widerstand gegen die Diktatur soll endlich freigesetzt werden. Wir wollen den kriegstreiberischen und vergewaltigenden Dunder, den verräterischen und geldgierigen Relat Reblis, den schmierigen und hinterhältigen Beric, den kriecherischen und korrupten Knowall, den unterdrückenden und betrügenden Gorrik und den mordenden Brakus beseitigen. Es muss Platz geschaffen werden für Fürsten, die ihre Aufgabe in der Suche nach Frieden und allgemeiner Zusammenarbeit der Völker sehen.

Die Fürsten sollen das Volk sein und das Volk die Fürsten. Nur dann kann ein dauerhafter Frieden gesichert werden. Das Volk will niemals Kriege. Die Fürsten zwingen sie zu kämpfen.

Viele von uns sind für diese Vision einer neuen Zukunft bereits gestorben. Wir sind insgesamt vielleicht noch zwanzig „Reiter des Friedens". Doch bald werden die neuen Gelder von unserem großen Fürsten ankommen, der uns und unserem Anführer Otredos berichtet, welche Schandtaten die Herrscher in Asgard wieder vollbracht haben. Er gab uns einstmals den Befehl diese Despoten auszulöschen.

Nur wenige haben den Fürsten jemals gesehen. Seinen Namen darf niemand aussprechen. Doch wir alle wissen, dass er uns beistehen und beschützen wird in unserem Kampf! Mit seinem Geld können wir neue Streiter anwerben und ausrüsten, um neue Angriffe auf die Herrscher auszuführen. Mit seiner Hilfe können wir die großen Niederlagen der letzen Zeit und unser Ziel erfüllen.

Familienzwist bei den Riesen

Mit einigen Blumen in der Hand wappnet sich Emris für seine bevorstehende Konfrontation mit Usiva. Es ist zu erwarten, dass Sie nicht sehr guter Laune sein wird, wenn ihr gesagt wird, dass sie zu Hause bleiben soll. Emris hofft, dass Usiva seinem unwiderstehlichen Charme erliegen wird, von ihrem Wunsch ablässt und mit ihrer weiblichen Einfühlsamkeit die Gründe für sein Tun versteht.

Der Riese erklimmt die letzten Stufen zu seinem Heim. Die Nervosität ist unerträglich. Lieber würde einmal um die Insel schwimmen als diesen Konflikt nun durchzustehen. Noch ein letztes Mal überprüft Emris die Frische der Blumen und die Standhaftigkeit seines beinahe einen Meter breiten, affektiert freundlichen Grinsens.

Mit überschwänglicher Freundlichkeit überreicht er Usiva den rund vier Meter durchmessenden Blumenstrauß. Gerade wollte er einen begeisterten Kommentar über den Geruch des von ihr gerade zubereiteten Essens machen, als er auf ihren Lippen ein plötzliches erkennendes und spöttisches Lächeln sehen muss.

„Du bist also doch noch gekommen, um mir die Teilnahme an eurer großen Fahrt auszureden... Du glaubst doch wohl selber nicht, dass ich hier zu Hause bleibe, wenn du irgendwelche verrückten Heldentaten draußen auf diesem bodenlosen Meer anstellst. Thork kann genauso gut auch bei unserem Onkel bleiben und nebenher auf das Haus aufpassen!!!"

Nachfolgend beginnt eine lautstarke Diskussion, die am Siedepunkt der Stimmung durch fliegende Obsidianteller im Hause Emris’ noch weiter aufgereizt wird.

Emris erklärt ihr die Verantwortungslosigkeit ihres Vorhabens und wiederholt dutzende Male seine Meinung. Usiva ist stinksauer und beleidigt über die Ablehnung ihrer Bitte. Der Streit dauert über Stunden an und endet schließlich mit einem Sieg Emris’. Er hatte gebetsmühlenartig argumentiert, das Usiva mit der Teilnahme an der Expedition nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihres noch ungeborenen zweiten Kindes bedrohen würde. Sie vermochte nichts gegen dieses Argument zu erwidern und fügte sich somit schließlich ihrem Schicksal.

Um ihrem Ehemann jedoch seine Entscheidung ein wenig schwerer zu machen, gibt es bis zum Ende des Monats jeden Tag ausschließlich Eintopf zu essen, den Emris auf den Tod nicht ausstehen kann.

Die Piratenparty in Ileon

Der Dreizehnte des Monats naht und mit ihm der Tag der großen Piratenfeier in Ileon. Dunderländische Soldaten haben das Gelände um den vermuteten Treffpunkt weiträumig umstellt. Überall haben sich Einheiten versteckt auf die Lauer gelegt, um den Anführer der Piraten, den noch nie jemand außerhalb der Gefallenen Sterne gesehen zu haben scheint, dingfest zu machen.

Das „Hölzerne Brett" ist hell erleuchtet. Immer mehr zwielichtiges Gesindel strömt in den großen Schanksaal und labt sich an Unmengen dunderländischen Bieres. Ein kargadisischer Spion hat sich mitten unter die Feiernden gemischt und kann vor lauter Jubeln und dem ständigen Geschrei „Prost dem Captain" kaum noch das Rülpsen seines Tischnachbarn hören. In dem Chaos ist es ihm auch nicht möglich, einen Blick auf diesen Captain zu werfen, dem dauernd zugeprostet wird.

Egal, er entschließt sich das Zeichen zu geben: er wirft die Rumflasche seines Tischnachbarn aus dem Fenster.

Dieser ist natürlich sehr wütend über diese Verschwendung köstlicher Flüssigkeit und will dem Agenten gerade mit seiner Axt den Kopf spalten, als mit lauten Krachen zwei Seitenwände der Gastschänke aufgerissen werden und dunderländische Soldaten herein stürmen.

Sekunden später ist auch alles vorbei. Alle Anwesenden sind verhaftet. Der Anführer dieser modrigen Truppe sozialen Abfalls ist eine Frau. Ihr Name ist Captain Carriere Almagro und sie ist wahnsinnig sauer über ihre geplatzte Geburtstagsparty. Während sie auf die glänzende Rüstung ihrer Wächter eintritt schreit sie immer wieder: „Blondbeard, Du Bastard! Das wirst Du bereuen! Auf diese Art wirst Du mich niemals loswerden!"

Der dunderländische Befehlshaber der Eingreiftruppe ist äußerst genervt von dem Geschrei und lässt die Frau sofort abführen.

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© Stefan Plogmann, 1996-2008

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