Das Beste aus dem "Asgard Länderspiel" - Teil 6
Diese Texte stammen aus einem alten Projekt, das zahlreiche andere Personen und ich im Jahre 1995 am Gymnasium verfolgt haben. Wir haben eine Art Rollenspiel gestartet, das jedoch größtenteils schriftlich ablief. Jeder Spieler war Fürst eines Landes. Er musste sich den Problemen im In- und Ausland stellen und gleichzeitig auch möglichst viel von seinem Land berichten. Die Idee war, dass am Ende eine perfekt ausgearbeitete Fantasy-Welt entstehen würde.
Das ganze Projekt dauerte rund anderthalb Jahre und hatte Hunderte von Seiten Text zur Folge. Anbei ein Ausschnitt aus diesen Texten.
Kriegsprophezeiung
Gewaltige Feuer erhellen die große Ehrenhalle in Thule. Die besten Krieger des Landes sind zusammenkommen, um sich die Prophezeiung der Druiden über den Ausgang des Krieges gegen Sommerlund anzuhören.
Blitze steigen aus dem kupfernen Kessel des Alten Druiden, als er mit tiefer Stimme seine Vision vom grausamen Untergang der sommerlundischen Armee und der brennenden Stadt Santander beschreibt.
"Große Reichtümer werden die Nordmänner aus dem Land des Sommers zurück in ihre Heimat bringen. Freude und Überfluss wird in den Fjorden Seyfgards herrschen. Die großen Drachenboote werden alle Hindernisse überwinden und die Welt mit Schrecken und Angst erfüllen. Doch hütet euch vor Verrat und Hinterhalten in den eigenen Reihen, denn Neid und Machtgier haben schon oft selbst die Tapfersten zu Fall gebracht."
Die „Grünen Reiter" greifen die Hochkönigin von Dunderland an
Inmitten der gewaltigen Kriegsvorbereitungen fallen dreißig Reiter in der Kleidung der hochköniglichen Kavallerie nicht auf, die durch das Horntor von Argos reiten. Eine Schar Kinder begleitet die Reiter jubelnd einige Straßen lang und wünscht ihnen viel Glück in den bevorstehenden Schlachten im Norden.
Die Reiter beachten die Kindern nicht, sondern steuern direkt auf die gewaltige Silhouette der Ordensburg zu. Auf den Zinnen der Burg weht das königliche Wappen. Zumindest ein Mitglied der königlichen Familie hält sich also innerhalb der Festung der Ordensritter auf.
Am Eingang der Festung werden die Reiter von einem Soldaten angehalten. Mit starrer Miene übergibt der Anführer der Reiter seinen Passierschein an den Soldaten, der daraufhin den Weg frei macht und den Befehl zum Öffnen der gepanzerten Tore gibt. Die dreißig Pferde erklimmen mit ihren Reitern anmutig die letzten Meter bis zum großen Haupthof, wo sie von Stalljungen bereits erwartet werden.
Ein wilder Schrei des Anführers der Reiter ist der Beginn des Chaos. Die Reiter schleudern ihre Roben auf die Stalljungen und ziehen ihre Waffen. Unter der dunderländischen Uniform tragen sie grüne Kleidung, die jedem Soldaten, der in Connyberry stationiert war, einen Schauer über den Rücken laufen lässt.
Schon haben die ersten Reiter die Treppe zum Hauptturm der Ordensburg erklommen und stürzen in die Vorhalle der königlichen Gemächer. Im Hintergrund der Halle können die Reiter noch den Schatten der Hochkönigin sehen, die mit ihrer Leibwache in die Katakomben zu flüchten versucht.
Die Krieger der Königin erkennen, dass es für eine Flucht zu spät ist und stellen sich den Angreifern. Ein wilder Kampf entbrennt. Die dunderländischen Soldaten müssen jedoch bei der zahlenmäßigen Überlegenheit unterliegen. Einer nach dem anderen wird brutal von den Reitern niedergemacht, bis auch der letzte von einem Langschwert der Angreifer niedergestreckt wird.
Schon wollen sich die Reiter der Königin zuwenden, die sich nun allein zehn Gegnern gegenüber sieht. Der Anführer der Reiter hebt siegessicher sein mächtiges Langschwert und setzt zum tödlichen Schlag ein. Die scharfe Klinge fällt auf Lana hinab - und streift ihren Oberarm. Der Anführer ist mit einem Seufzer zu Boden gesunken. In seinem Rücken steckt ein dunderländischer Armbrustbolzen.
Eine Trupp Ritter stürzt durch das Hauptportal und beginnt die überraschten Reiter gnadenlos niederzumähen. Innerhalb weniger Augenblicke ist auch der Letzte zu Boden gestreckt und die trutzige Ordensburg wieder in der Hand der Löwenritter.
08.04.1332, Kadar - Bericht der fürstlichen Leibwache
Gemäß des Auftrages seiner Lordschaft wurde der kleine Gast ohne Kontrolle durchgelassen. Nach dem dreistündigen Treffen geleitete die Leibwache ihn und seine Lordschaft zu einem nahe gelegenen Waldstück, wo Kisten zum Abholen bereitstanden.
Nachdem die Kisten aufgeladen waren, traten drei Reiter in tiefschwarzen Roben, die mit goldenen Fäden durchzogen waren, aus dem Wald hervor. Ihre Pferde waren mit schwarzen Plattenpanzern überdeckt und unter den Roben der Reiter konnte man auch teilweise das matte Glänzen schwarzen Metalls erkennen.
Entsetzt mussten wir sehen, wie Siward vor dem ersten Reiter auf die Knie ging und den metallenen Ring an dessen Panzerfaust küsste. Kurz darauf verschwanden die Reiter und der Kleine. Wir kehrten nach Kadar zurück.
Keine sonstigen Vorkommnisse.
Erevan spricht
Becken voll sengenden Feuers erhellen den Tempel des Gottes Erevan, als die ehrwürdigen Priester des Reiches mit der uralten Zeremonie beginnen.
Die Fürsten und Ritter des Reiches nehmen Teil an den mächtigen Chorgesängen und beten für das Erscheinen ihres Gottes. Die Luft im Raum scheint zu glühen, die Kerzen flackern. Der Gesang erreicht seinen Höhepunkt. Ein Beben erschüttert den Tempel. Die Fackeln verlöschen. Ein greller blauer Blitz erhellt den Altar und eine Art Gesicht scheint durch einen Nebel zu erkennen zu sein. Eine Stimme von unglaublicher Tiefe und Kraft hallt durch den Raum. Erevan spricht zu seinen Untertanen.
Hütet Euch vor sinnlosen Kämpfen, sammelt Eure Kräfte.
Eine Klaue, älter als jede Eiche, greift nach dem Paradies.
Die Kraft arbeitet im Hintergrund und zeigt sich nie offen.
Der Suchende wird nicht ruhen.
Eine Gefahr nähert sich aus dem Verborgenen - ihre Maske wird bald fallen.
Der Tod ist ihr Diener und das Leid ihr Verbündeter.
Schützt Euch, denn einzig der Wachsame wird überleben.
Reise zur Silberstadt
Zu einer Zeit, in der die Hobbits normalerweise noch gemütlich schnarchend in ihren Betten liegen, befinden sich einige wenige auf einer Reise, die noch nie jemand ihres Volkes unternommen hat. Es sind der Geschichtsmeister Daehrevo Rotkejorp, Landmeister Gnafum Sierk und Vertragsmeister Relat Reblis. Begleitet werden sie von zehn Stadtbütteln, sowie rund Vierzig aufs schwerste bepackten Eseln. An der Spitze der Karawane befinden sich außerdem die beiden Elfen, die als Boten schon vor einiger Zeit in das kleine Weidental gekommen sind. Sie unterhalten sich angeregt mit dem Magier Anvil, der zugesagt hatte, dass er die Gruppe eine Zeit lang begleiten würde.
Zunächst geht die Reise nach Mittingen, dann weiter über Feldingen und Dreiwald zur Kreuzung der Sieben Wege. Hier ist es auch, wo Anvil, der die ganze Zeit über den Erzählungen des Geschichtsmeisters gelauscht hat und hier und da sein eigenes Wissen über die Vergangenheit der Hobbits mit einstreute, plötzlich einen unverständlichen Fluch von sich gibt. Er ist plötzlich sehr aufgeregt und scheint einer inneren Stimme zu lauschen. Plötzlich murmelt er, dass es im Leid tät und der plötzlich gehen müsse. Er habe etwas zu berichtigen, was andere gerade falsch gemacht hätten. Im nächsten Moment ist der Halbelf hinter einigen Bäumen verschwunden ward nicht mehr gesehen.
Der Geschichtsmeister möchte nach seinem verschwundenen Gesprächspartner suchen lassen, doch die beiden Elfen drängen zur Eile. Sie meinen, dass man sich nicht um Anvil kümmern müsse: „Der tut sowieso immer nur das, was er will."
Mit einem Begleiter weniger verlasst ihr also das schlafende Weidental und begebt euch nach Nordosten. Das Wetter wird immer besser und die Stimmung steigert sich mit jeder Wolke, die der Wärme der Sonne weichen muss.
Über die gepflasterten Straßen Gailons kommt ihr schnell voran, obwohl die Esel leicht überladen sind und Mühe haben ihre Last zu tragen. Es geht durch tiefe Wälder und weite Wiesen immer weiter auf den Regenbogensee zu, dessen märchenhafte Schönheit die Phantasie unzähliger Generationen von Märchenerzählern im Weidental inspiriert hat, obwohl sie ihn nie in ihrem Leben gesehen haben.
Die Elfen erzählen euch von der schönen alten Zeit, als die Menschen noch nicht in diesen Teil des Kontinents gekommen waren und Elfen, Hobbits und Zwerge noch in Frieden leben konnten. Sie schwärmen von der Schönheit der alten Elfenstädte, die heute bis auf wenige Ausnahmen vollkommen zerstört sind. Einzig die Silberstadt und die beiden anderen Hauptstädte der alten Elfenreiche seien der Vernichtung einigermaßen entkommen und würden auch weiterhin Leben in ihren uralten Mauern bergen.
"Doch nun scheint auch Silberstadt dem Untergang nahe zu sein. Immer öfter kommen Menschen in die Stadt und bleiben einige Wochen zur Erholung. Damit verwandeln sie die Stadt nach und nach in eine riesige Herberge. Das Silber der großen Paläste wird immer mehr beschädigt und teilweise sogar gestohlen. Die großen Plätze werden durch den Unrat der Besucher verschmutzt. Der Lärm dieser stinkenden Säufer stört uns bei unseren Meditationen und hindert die Gelehrten an ihren Forschungen. Könntet ihr nicht euren Einfluß auf Gailon geltend machen und diesen Menschen klar machen, dass sie in unserer Stadt unerwünscht sind. Wir wagen es ehrlich gesagt nicht die Menschen einfach aus der Stadt zu werfen, da wir ihren Zorn und ihre Gewalttätigkeit fürchten. In der Vergangenheit haben wir zu viele Kriege geführt und zu viele Opfer erdulden müssen. Außerdem dürfen wir Waffen schon seit langem nur noch zur Jagd einsetzten. Alles andere wäre unser Untergang, denn die Oberen würden es nicht dulden."
Von nun an hüllen sich die beiden Elfen in Schweigen und marschieren ein wenig abseits vom Rest der Gruppe. Es geht drei Tage lang vorbei an großen Wäldern, weiten Wiesen und kleineren Seen. Am vierten Tag erklimmt ihr schließlich am frühen Morgen eine kleine Anhöhe. Im ersten Licht der aufgehenden Sonne könnt ihr unter euch die glitzernden Wogen des Regenbogen Sees erkennen, die sich bis an den Horizont erstrecken und alles an Größe übertreffen, was ihr jemals gesehen habt. In der Ferne glaubt ihr so etwas, wie die Umrisse einer riesigen Stadt mit hohen Türmen zu erkennen, die in einem märchenhaften silbernen Ton glänzen.
Ihr verlasst die Straße und begebt euch zum feinsandigen Strand des Sees, wo ihr ein einfaches Lager aufschlagt. Nach einigen Stunden nähert sich euch eine Flotte von fünfzehn großen Segelbooten, die von jeweils vier hoch gewachsenen Elfen gesteuert werden. Die Elfen scheinen keinen großen Wert auf überschwängliche Begrüßungszeremonien zu legen. Sie beginnen sofort mit dem Umladen der Waren auf die Schiffe. Ihr werdet kurzerhand geschnappt und auf bequeme Kissen in einem der Segler gesetzt. Die Esel werden von vier Elfen zu einem Stall nahe einem neuen Fischerdorf von Gailon gebracht, wo demnächst die Menschen aus den Wilden Landen angesiedelt werden sollen.
Und schon beginnt eure erste Seefahrt, die bei euch statt Entzücken eher leichte Übelkeit hervorruft. Wieder geht es nach Norden, direkt auf die Hauptstadt des Schönen Volkes zu.
Je näher ihr der Stadt kommt, desto höher ragen vor euch die anmutigen Türme der Elfen in die Höhe. Überall spiegelt sich die Sonne in dem glatten Silber, das alle Wände und Dächer der riesigen Stadt bedeckt. Unterbrochen wird das Glänzen der Stadt nur durch das Grün der Bäume und Sträucher, die in den zahlreichen Park liebevoll gepflegt werden und eine nie gesehene Schönheit entfalten.
Durch ein großes Tor laufen die Segler in den geschützten Hafen der Stadt ein, wo einige reich geschmückte Elfen bereits auf die Ankunft der ersten Besucher aus dem Weidental seit mehr als 800 Jahren warten.
Ihr verlasst das Schiff über eine Rampe aus wertvollem Holz, um euch auf einem erhöhten Podest vor dem Empfangskomitee aufzustellen.
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© Stefan Plogmann, 1996-2008
