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Das Beste aus dem "Asgard Länderspiel" - Teil 7

Diese Texte stammen aus einem alten Projekt, das zahlreiche andere Personen und ich im Jahre 1995 am Gymnasium verfolgt haben. Wir haben eine Art Rollenspiel gestartet, das jedoch größtenteils schriftlich ablief. Jeder Spieler war Fürst eines Landes. Er musste sich den Problemen im In- und Ausland stellen und gleichzeitig auch möglichst viel von seinem Land berichten. Die Idee war, dass am Ende eine perfekt ausgearbeitete Fantasy-Welt entstehen würde.

Das ganze Projekt dauerte rund anderthalb Jahre und hatte Hunderte von Seiten Text zur Folge. Anbei ein Ausschnitt aus diesen Texten.

Gedanken eines Elfen

Eine kleine Spinne hat sich auf einem der zehn zierlichen Blätter des Silberbaumes nahe dem Tore ein neues Heim geschaffen. Zwischen zwei Ästen hat sie ihr filigranes Netz gespannt, das am Morgen die schillernden Tropfen des Taus einfängt. Kleine Insekten sind die Opfer der flinken und geschäftigen Spinne. Im Moment scheint der kleine Räuber der Gewinner im ewigen Kampf um Leben und Tod zu sein, doch eines Tages wird auch das Leben der Spinne beendet sein. Ob sich die Lebewesen der Natur wohl ihrer eigenen Vergänglichkeit bewusst sind? Weiß das Korn, das im Gedicht des Erelon beschrieben ist, noch während es im Staub liegt, dass es eines Tages nichts weiter als eben dieser Staub sein wird?

Die Riesen verlassen zum ersten Mal seit Generationen ihre Insel

Zwei Tage später schlägt die Anfangs überschwängliche Freude jedoch in Angst um die 16 Männer um, die auf das weite Meer hinauswollen. Viele zeigen ihre Trauer und Besorgnis offen zur Schau, als das große eichene Schiff den Strand verlässt und unter dem lauten Platschen der Ruder auf die Ausfahrt der Bucht zufährt.

Emris steht im Bug, doch er scheint sich nicht vom Anblick seiner Frau uns seiner Heimat lösen zu können. Der Takt der Ruder wird schneller, da die Männer den bedrückten Abschied so schnell, wie möglich hinter sich bringen wollen, um sich auf die bevorstehende Aufgabe konzentrieren zu können. Das Dorf bleibt immer weiter zurück, doch auf einem der Hügel seitlich der Bucht glaubt ihr eine Gruppe von Männern zu sehen, die sich um einen gebeugten und scheinbar auf einen Stock ruhenden Mann geschart haben, der das Geschehen am Strand beobachtet zu haben scheint. Doch schon bald verschwimmt auch dieser Anblick immer mehr mit dem wachsen der Entfernung und schließlich bleibt Albolg auch nur noch eine verschwommene Erinnerung in der unendlichen Weite des salzigen Meeres...

Der Vogel des Kaisers

Eine kleine Delegation ängstlicher Forscher sucht den mächtigen Kaiser nach seinem Mittagsschläfchen im Thronsaal auf und informiert den Gott in Menschengestalt über die Fertigstellung von „Beric II", dem zweiten Fluggerät aus den Werkstätten der kargadisischen Forschung.

Diesmal entschließt sich der Kaiser dazu, das „Meisterwerk" vorher zu begutachten, um zu sehen, ob schon wieder derart offensichtliche Fehler gemacht wurden, wie letztes Mal.

Das Gerüst des Fliegers wurde aus dem noch exotischen Bambusrohr gefertigt, das extra für teures Geld aus dem Land der Wagenfahrer importiert werden musste. Die Flügel bestehen aus feinem Leinen, der von kargadisischen Großmüttern eigenhändig für ihren geliebten Kaiser gewebt wurde. Dieses Mal hat man auf jegliche Verzierungen, wie eine Bemalung verzichtet. Das Selbstvertrauen ist einfach zu angeknackst.

Alles in allem ist das Gerät sehr leicht aber dennoch stabil. Das einzige, was nun noch fehlt ist ein Freiwilliger, der sich als Pilot des Fluggeräts meldet.

Es dauert aber auch nicht lange, bis einige Soldaten einen betrunkenen dakischen Matrosen finden, der sich in einem offensichtlichen Zustand geistiger Umnachtung dazu bereit erklärt für ein paar Goldmünzen in das Gewirr aus Leinen und Schnüren unter dem Fluggerät zu steigen, um den Jungfernflug von „Beric II" zu steuern.

Im Morgengrauen, während die gesamte Bevölkerung Kalamans noch in ihren Betten schlummert, wird der keineswegs anmutige Flieger wieder auf den altbekannten Startplatz auf der Stadtmauer gehievt.

Ständiger Nieselregen und ein bedeckter Himmel deprimieren den Gottkaiser aufs tiefste. Der Pilot wurde die ganze Nacht hindurch künstlich in seinem desolaten Zustand einer halben Alkoholvergiftung gehalten. Nun ist seine große Stunde gekommen. Unter den entnervten Augen des Gottkaisers wird der Seemann unter „Beric II" geschnallt und zusammen mit dem Fluggerät in die Startposition gezogen.

Der Wind ist günstig. Gerade steigt aus den blauen Fluten des Rhûn-Meeres die goldene Scheibe der Sonne empor und schickt die ersten Strahlen gleißenden Lichtes zu den anmutigen Türmen Kalamans.

Der Gottkaiser gibt das Zeichen zum Start. Mehrere Diener geben dem Flieger einen starken Stoß und schicken das Objekt der Hoffnungen und Wünsche Berics auf seine ungewisse Reise.

Ein lautes Fluchen und Zetern ist vom Kaiser ist zu hören, denn sobald die Flugmaschine über den Rand der Stadtmauer hinausgeschossen ist, sackt sie auch schon zusammen ihrem lallenden Piloten bedrohlich ab. Ein Windstoß gibt dem torkelnden Vogel Kargads, gleichsam einem Phönix aus der Asche der Ruinen eines verlorenen Weltreiches neue Energie. Vor den Augen des Kaisers erhebt sich „Beric II" einem Adler gleich in die Lüfte und trägt den grölenden Betrunkenen in weite Höhen.

Ja, die Menschen von Kalaman haben die Natur besiegt...

Das Unglück in der Mine

Ein lautes Dröhnen, das aus dem Herz der Erde zu kommen scheint, treibt die Zwerge im Adler-Gebirge Mitte des Monats aus ihren Betten. Die Erde zittert unter ihren Füßen.

Der Hochkönig begibt sich sofort in den Thronsaal, wo bei seiner Ankunft das große verzierte Tor aufgestoßen wird und ein Minenarbeiter mit angesengter Kleidung und verbrannten Hautfetzen im Gesicht hineintorkelt.

„Eine Explosion in der großen Kohlemine!! Überall ist Feuer und Rauch. Viele von uns sind umgekommen."

Wie zur Unterstreichung seiner Wort erschüttert eine weitere Explosion den Boden und einige Kerzenständer im Thronsaal stürzen um. In der Ferne kann man das laute Dröhnen des großen Gongs hören, der alle Bewohner des Gebirges vor drohender Gefahr warnt.

Hunderte von tapferen Männern sammeln sich nach und nach in der großen Halle des Palastes. Sie wollen hinab in die Tiefe des Gebirges gehen, um zu versuchen Verletzte zu bergen und das Feuer irgendwie zu löschen. Immer mehr dicker Rauch dringt aus den Minen in die oberen Bereiche des Gebirges. Teile der Bevölkerung werden bereits auf die von Stürmen gepeitschte Oberfläche evakuiert. Dicke Rauchschwaden steigen aus den Lüftungsschächten in die Wolken und verdunkeln den Himmel.

Die ersten Zwerge wagen den Abstieg in die Tiefe. Jeder von ihnen trägt ein feuchtes Tuch vor dem Mund, um sich vor dem beißenden Rauch zu schützen. Eine weitere Explosion erschüttert den Boden und lässt an einer Stelle des Schachtes die altersschwache Wand einstürzen. Dennoch arbeiten sich die Zwerge weiter die endlosen Treppen hinab, um ihren Kameraden in der Tiefe zu helfen. Nach einer scheinbaren Ewigkeit gelingt es einer Gruppe in die äußeren Bereiche der Mine zu gelangen, wo das Unglück geschehen ist. Überall Rauch und glimmende Kohle. Sie finden einige Zwerge, die dem Feuer zwar entkommen sind aber es wegen dem Rauch nicht bis zum rettenden Schacht geschafft haben. Eine sonnenheiße Hitze schießt den Zwergen aus der Tiefe entgegen.

Schnell sieht man ein, dass jegliche Hilfe unmöglich ist und man beschließt alle Schächte zu versiegeln, um das Feuer zu ersticken.

Die Erfindung des Suchscheinwerfers

Beim Essen überfällt den Gottkaiser ein Anflug von übermenschlicher Genialität. Vor seinen Augen schwebt ein Gebilde, das Kalaman zur sichersten Stadt des gesamten Erdkreises machen und damit den Geist des Kaisers um eine Last erleichtern wird: der Suchscheinwerfer.

Eilig lässt sich Beric von einem Sklaven eine vergoldete Serviette geben auf die er eine einfache Zeichnung seiner Vision verewigt. Nur wenige Minuten später ist der gesamte Wissenschaftsrat des Kaisers auf den Beinen, um die Idee ihres göttlichen Herrn in die Tat umzusetzen.

Brief an Bürgermeister Knowall von Gailon

Ihr habt uns gesucht und nicht gefunden. Grün waren unsere Farben und feuerrot die Spuren unseres Weges. Viele haben uns gefürchtet, viele haben uns gehasst. Sie haben noch nicht erkannt, dass wir eigentlich alle für ein Ziel kämpfen: Eure üble Politik der Verleumdung und der Ausbeutung hat das Volk in den Tod geführt. Viele Männer mussten sterben in einem sinnlosen Kampf. Wir hassen Männer wie Euch, Knowall, - Verbrecher, die sich hinter dem fadenscheinigen Schild der Menschlichkeit verbergen.

Kampf ist keine Lösung für unser Problem, ja es verschlimmert es nur noch. Deshalb schlagen wir Euch, Knowall, Bürgermeister von Gailon, ein Treffen am dreißigsten Tage des sechsten Monats vor. Am Fuße des Riesengebirges, westlich des Gralsees, werden wir uns Treffen - allein.

Otredos,
Hüter der Werte des Friedens

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© Stefan Plogmann, 1996-2008

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