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Das Beste aus dem "Asgard Länderspiel" - Teil 8

Diese Texte stammen aus einem alten Projekt, das zahlreiche andere Personen und ich im Jahre 1995 am Gymnasium verfolgt haben. Wir haben eine Art Rollenspiel gestartet, das jedoch größtenteils schriftlich ablief. Jeder Spieler war Fürst eines Landes. Er musste sich den Problemen im In- und Ausland stellen und gleichzeitig auch möglichst viel von seinem Land berichten. Die Idee war, dass am Ende eine perfekt ausgearbeitete Fantasy-Welt entstehen würde.

Das ganze Projekt dauerte rund anderthalb Jahre und hatte Hunderte von Seiten Text zur Folge. Anbei ein Ausschnitt aus diesen Texten.

Die Nordmänner überfallen Dakien

Die Hafenanlagen sind schwer befestigt und in der Stadt wimmelt es nur so von Soldaten. Eric plant seinen Angriff für die Nacht, denn er möchte den zahlreichen Katapulten und den unzähligen Bogenschützen am Kai tunlichst aus dem Weg gehen. Im Hafenbecken dümpeln ein Handelssegler aus Avis Villa, eine leichte Handelsgaleere aus Kargad und einige dakische Fischerboote. Über der Stadt lodert das helle Feuer des Leuchtturms, der den Schiffen den Weg in die Stadt zeigt und vor den Untiefen der Flußmündung warnt.

Unbemerkt gelingt es den Nordmännern bis kurz vor die Stadt zu kommen, als sie von einem der Wachtürme am Hafen entdeckt werden. Der laute Ruf des Hornes der Wächters gellt durch die schlafende Stadt und alarmiert die Wachen. Die Hauptkatapulte des Hafens beginnen mit dem Feuer auf die dunklen Schemen der Schiffe, die im Licht des Leuchtturms verschwommen zu erkennen sind. Eines der Schiffe Erics wird getroffen und beginnt zu sinken. Die übrigen Boote können sich durch schnelles Rudern aus der Gefahrenzone und näher an die Stadt bringen.

Mit lautem Gebrülle steuern die Nordmänner die Drakar an den Kai und stürmen auf die ersten Wachen zu, die aus den Quartieren kommen. Keiner der Soldaten Dakiens oder Kargads, die in Neuhafen stationiert sind, kann den Nordmännern in der Kampfkunst das Wasser reichen. Es ist ein leichtes für Erics Männer sich durch die Truppen des Gegners zu pflügen und die Stadt mehr und mehr zu erobern.

Ein Großteil der Hafenanlagen brennt, überall sind Seyfgarder zu sehen, die eine Frau oder Wertgegenstände geraubt haben und diese auf die Schiffe schleppen. Als Hauptziel ihres Angriffes haben die Männer den Handelsstützpunkt Kargads erkoren, der sich groß und prächtig vom Rest der Stadt abhebt.

Zu ihrem großen Erstaunen müssen die Seyfgarder jedoch feststellen, dass die Dakier ihre besten Truppen offenbar bei diesem Stützpunkt zusammengezogen haben. Eine Gruppe von mächtigen Kriegern in roten Gewändern mit dem kaiserlichen Wappen von Dakien stürzt sich unter dem Feuerschutz einiger Bogenschützen auf die vordersten Reihen der Nordmänner und richtet große Verwüstungen an. Selbst Eric wird von einem der Krieger, die anscheinend zur Leibgarde des dakischen Kaisers gehören, verletzt bevor er ihn erschlagen kann. Durch ihre große zahlenmäßige Überlegenheit können die Nordmänner jedoch auch diese rotbewandeten Kämpfer überwinden und in den Stützpunkt Kargads eindringen und ihn ausrauben.

Die Stadt steht in Flammen. Eines der normannischen Schiffe hat Feuer gefangen und ist gesunken. Möglicherweise wurde es auch von Dakiern in Brand gesteckt. Die letzten Widerstandsnester werden von einigen Kämpfern Erics ausgehoben. Die Krieger kehren auf ihre Schiffe zurück, um das völlig in Schutt und Asche gelegte Neuhafen zu verlassen bevor auch der Leuchtturm einstürzt und möglicherweise die Flussmündung blockiert. Außerdem wurde von Raben, die in die umgebenden Gebiete ausgeschickt wurden, gemeldet, dass sich ein sehr großes dakisches Heer nähert, das scheinbar zufällig in der Nähe stationiert war.

Eric hat bei diesem Angriff schon etwa 150 Krieger und zwei Schiffe verloren. Auf einen weiteren Kampf will er sich nicht einlassen. Die geraubten Güter übersteigen alles, was sich die Nordmänner jemals hätten erträumen können. Die Schiffe sind nur noch schwer zu steuern, da sie überladen sind mit Gold, Stoffen, Diamanten, Waffen, Nahrungsmitteln und allem anderen, das für die Krieger irgendwie wertvoll aussah. Von besonderem Wert sind für Eric die 15 Schwerter, die er von den Leibgardisten des Kaisers erbeutet hat. Die Schwerter leuchten in einem hellen Blau und sind unglaublich hart.

Das Ende einer Reise durch Dunderland

Nach einem kurzen Aufenthalt in Argos begaben wir uns auf den Weg nach Corsum, den letzten Aufenthaltsort der Diebin Mirona Thetin.

Kurz vor der Stadt fanden wir die Leichen von fünf Totenkopfkriegern in deren Hals jeweils ein eiserner Armbrustbolzen mit weißen Federn steckte. Es waren die gleichen, die ich in Argos Anfangs des Monats beauftragte, uns bei unserer Reise durch Dunderland zu folgen, um im Notfall eingreifen und den König zusätzlich schützen zu können. Ich tat dies nur aus Sorge um das Leben des Hochkönigs. Als wir in Haven vom derzeitigen Aufenthaltsort erfuhren, schickte ich die fünf Totenkopfkrieger voraus, um das Terrain vor uns zu erkunden und Mirona Thetin festzusetzen. Anscheinend sind sie dann in einen Hinterhalt geraten.

In Corsum trafen wir in der Taverne „Zum Schwankenden Seemann" auf die Diebin und ihren Freund. Mirona flüchtete, als wir die Kneipe betraten und trug dabei ein offensichtlich sehr schweres Bündel bei sich. Ihr Freund schien sie zurückhalten zu wollen, doch sie war schnelle als eine Katze durch die Hintertür der Taverne geschlüpft.

Wir verfolgten sie bis auf einen großen Platz, wo ihr fünf Reiter in schweren grauen Roben den Weg versperrten. Einer der Reiter erblickte die junge Frau und zog eine gewaltige Armbrust während er Mirona zurief, dass sie nun für ihren Verrat bezahlen werde. Ein großer Bolzen mit weißen Federn löste sich aus der Waffe und schmetterte die Diebin mit unglaublicher Wucht zu Boden. Das Bündel, das sie bei sich trug, öffnete sich teilweise und ein Teil der von uns gesuchten Rüstung war zu sehen.

Der Reiter mit der Armbrust beugte sich gerade nieder, um nach dem herabgefallenen Bündel zu greifen, als Bayahn, der Freund Mironas, ihn mit einem herumliegenden Stein vom Pferd schoss. Die übrigen Reiter warfen ihre grauen Roben von sich und brachten so ihre grüne Kleidung mit dem schweren eisernen Kettenpanzer zum Vorschein. Sie stürmten auf Bayahn und streckten ihn mit wenigen Schlägen ihrer Langschwerter zu Boden. Wir versuchten ihn zu retten, doch es war bereits zu spät. Wenigstens konnten wir die Reiter stellen und es gelang uns nach einem langen und meistens ausgeglichenen Kampf unsere Gegner niederzustrecken (es waren die zähesten Kämpfer, mit denen ich es je zu tun hatte).

Mirona Thetin warnte uns mit ihren letzten Atemstößen vor einer Gefahr im Norden und dass wir die Rüstung niemals dorthin bringen sollten. Wir hörten jedoch nicht auf ihre Warnung, da wir das Rätsel um die Herkunft der grünen Reiter ergründen wollten.

In den Talländern erfuhren wir schließlich zum ersten Mal von seltsamen Brandfällen in der Umgebung, denen ausschließlich Getreidedepots zum Opfer gefallen sind. Hinweise führten uns nach Connyberry, wo wir in der Nacht zeugen eines Überfalls von grünen Reitern wurden. Die Angreifer steckten einige Lagerhäuser an, bevor sie wieder aus der Stadt ritten. Wir verfolgten die Reiter in Richtung Westen, bis wir sie schließlich im Morgengrauen am Rande des Gebirges in einem Wald stellen konnten. Als wir zusammen mit einem runden Dutzend Stadtwachen aus Connyberry zum Kampf gegen die Angreifer übergehen wollten schien die Luft plötzlich immer dicker zu werden.

Genau zwischen uns und unseren Gegnern schlug das gleißende Licht eines Blitzes in den Boden ein und ein Mann in einer grauen Robe stieg aus einer sengenden Flammensäule. Er sagte, dass wir ihm gerade Recht kämen, da er schon lange auf die Lieferung von König Dunders Rüstung gewartet hätte. Er drohte uns mit unserer Vernichtung, wenn wir ihm die Rüstung nicht übergeben, und zeigte uns auf grausame Weise, dass dies nicht nur eine Drohung bleiben könnte. Er zielte mit dem hohen schwarzen Stab mit dem goldenen Ring an der Spitze, den er in den Händen hielt, auf die Stadtwachen von Connyberry ließ sie in einem gewaltigen Feuerball aus dem goldenen Ring an seinem Stab vergehen.

Dennoch weigerten wir uns die Rüstung auszuliefern und wollten gerade in einen wahrscheinlich aussichtslosen Kampf übergehen, als sich eine Art leuchtendes Tor aus dem Boden erhob. Aus ihr trat ein Mann in einer blauen Robe hervor. Dieser wendet sich sofort dem grauen Magier zu und sagte ihm, dass er die erneute Vernichtung von unschuldigen Menschen nicht dulden könne. Er habe dem Treiben des anderen schon lange genug zugesehen und müsse nun endlich einmal hart durchgreifen.

Es begann ein Kampf zwischen den beiden Magiern, den ich nicht weiter beschreiben kann, da wir von den Feuerbällen, die die Beiden aufeinander schleuderten, geblendet wurden und uns aus dem inzwischen brennenden Wald zurückziehen mussten.

Die Hitze war unerträglich, unsere Rüstungen schienen zu schmelzen. Die Grünen Reiter witterten in diesem Chaos ihre Chance und griffen uns aus dem Hinterhalt an, doch wir überwanden sie spielend. Wir mussten uns immer weiter zurückziehen, da der ganze Wald zu brennen begann. Es schien uns, als würde der ganze Boden und dem Stampfen titanischer Wesen erbeben. Der Himmel schien zu brennen, fürchterliche Schreie und grausames Brüllen erfüllten die Luft.

Erst nachdem wir genügend Abstand zum Kampfplatz hatten, wagten wir einen Blick auf die beiden Kämpfenden. Riesige Echsen, die eine rot, die andere silbriggolden, lieferten sich vor unseren Augen einen Kampf um Leben oder Tod. Inmitten eines lodernden Ringes aus brennenden Bäumen spuckten sie sonnenhelles Feuer und fügten einander mit ihren unglaublichen Krallen schwere Verletzungen zu. Die silbrig-goldene Echse schien einem Sieg langsam nahe gekommen zu sein, als ihr Gegner plötzlich in einer Säule reinen Lichts verschwand und schrie, dass er eines Tages wiederkommen werde Er würde es dem Anderen heimzahlen, dass er ihn um seine verdiente Beute betrogen hat.

Angesichts der unglaublichen Zerstörung, die der Kampf verursacht hat, und unserer Ratlosigkeit, was nun zu tun sei, beschlossen wir nach Argos zurückzukehren, um dir Bericht zu erstatten.

Kurz vor der Hauptstadt trat plötzlich der Magier in der blauen Robe hinter einem Baum hervor und riet uns, dass wir uns lieber nicht mit bestimmten Leuten anlegen sollten, die wir ohnehin nicht begreifen könnten. Im nächsten Moment verschwand er hinter dem Baum, hinter dem er gerade hervorgetreten war.

Nach unserer Rückkehr in Argos pflegten wir unsere Wunden und beschlossen dann in unseren normalen Dienst zurückzukehren. Ich selbst bitte euch mich in eure Dienste wieder aufzunehmen, da ich es als meine Pflicht ansehe, für eure Sicherheit zu sorgen.

Lord Thomdor
Argos, den 21.03.1332

Kaiserliche Traumhochzeit

Am Abend des 21. Tages des Monats Stagaragg nähert sich die mächtige Galeere des Kaisers von Dakien dem gigantischen Tor von Kalaman. In seiner Begleitung befinden sich drei der unschlagbaren Kriegsgaleeren des Großreiches Kargad. Die goldenen Beschläge der Schiffe funkeln in der untergehenden Sonne.

Auf der höchsten Mauer der Festungsanlagen stehen die drei Flugmaschinen Kargads bereit, um der künftigen Frau des Kaisers ihre Ehrerbietung zu erweisen. Unter dem Staunen der Bevölkerung, die sich überall auf den Mauern und im Hafen verteilt hat, heben die Flieger anmutig ab und schweben hinaus in den abendlichen Himmel.

Das Tor der Hafenanlagen wird unter Fanfanengetöse geöffnet und die vier Schiffe gleiten unter Jubel der Zuschauer in das Hafenbecken.

Kaiser Theoderich und seine ziemlich gewaltige Frau stehen neben Tanja, der neuen Kaiserin von Kalaman auf dem Vordeck der „Wellenbrecher" und danken dem Volk für seine begeisterten Zurufe. Tanja ist ein anmutige junge Frau, mit langen dunkelbraunen Haaren und einer sehr hübschen Figur, wie Beric findet. Allerdings weiß er, dass hinter dem wunderschönen Äußeren ein sehr wilder Teufel steckt, der oft kaum zu bändigen ist. Irgendwie glaubt Beric ein zufriedenes, ja fast hämisches Grinsen auf den Lippen des Kaisers von Dakien zu sehen, der sich über die Heirat köstlich zu amüsieren scheint.

Die anderen Decks der vergoldeten Staatsgaleere Dakiens sind erfüllt mir unzähligen Soldaten in wertvollen Stahlrüstungen aus Kalaman. Auch auf den anderen Schiffen sieht Beric die Männer der „Roten Garde" mit ihren roten Schilden und Brustpanzern. Der Chor des „Tempels der fünf Götter" beginnt mit einem alten kargadisischen Begrüßungslied, als die Schiffe an der Pier festmachen und rote Teppiche herangerollt werden.

Der Kronrat und die Besten der Leibgarde des Kaisers von Dakien begeben sich von Bord. Inzwischen ist Beric auch mit seinen Ministern und den höchsten Fürsten zum Anlegeplatz gekommen. Gemeinsam verlassen nun Kaiser und Kaiserin von Dakien mit ihrer Tochter das mächtige Schiff und werden von Beric empfangen.

Begleitet von den Soldaten Kalamans und einer jubelnden Menge fahren Beric und seine künftige Braut in einem goldenen Wagen zur Oberstadt hinauf, um im mit Fahnen geschmückten Palast an einem rauschenden Begrüßungsfest teilzunehmen.

Der Abend des nächsten Tages ist als Heiratstermin festgelegt worden. Die „Rote Garde" wird den ganzen Tag über mit bombastischen Zirkusspielen bei Laune gehalten und es werden allerletzte Vorbereitungen getroffen. Vier Stunden nachdem die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, soll die Zeremonie im großen Tempel des Kurn abgehalten werden. Alles, was in Kargad Rang und Namen hat, ist eingeladen.

Der Vorhof des Tempels ist mit unglaublichen Menschenmassen gefüllt, die dem Traumpaar Beric und Tanja zujubeln. Flankiert von Gardesoldaten in glänzenden Rüstungen durchschreitet das Paar das bronzene Eingangstor des marmornen Tempels des Schutzgottes von Kalaman. Gesang und feierliche Musik empfängt Beric und seine zukünftige Frau im Inneren des großen lichtdurchfluteten Doms, der mit den reichsten Bürgern der Stadt und den Adeligen aus allen Nachbarländern bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Der Altar ist mit Gold, Diamanten und Seide geschmückt und die höchsten Priester des Landes sind anwesend. Der Weg des Paares ist bedeckt mit den wertvollen Blättern des dakischen Silberbaumes.

Alba Falchowar und Kaiser Theoderich empfangen die beiden kurz vor dem Altar und führen sie auf ihren letzten Schritten bis zur Ehe. Hohepriester Elachon vollführt die Trauung in der uralten Tradition Kalamans. Tanja wird zunächst auf einen kargadisischen Namen getauft und tritt zum Glauben der Götter Kalamans über. In einer abschließenden Zeremonie wird die goldene Krone der Kaiserin von Kalaman der Frau Berics auf das Haupt gesetzt. Unter dem Gesang des Chores und dem Spiel der goldenen Orgel des Domes gibt Beric seiner Frau schließlich den Vermählungskuss.

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© Stefan Plogmann, 1996-2008

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