Diplomarbeit "Spekulationsphänomene im Telekommunikationsmarkt - dargestellt am Beispiel UMTS"
Stefan Plogmann
Die Abkürzung UMTS hat in den letzten vier Jahren viele Deutungen und Assoziationen erfahren. Noch im Jahr 1999 war sie Hoffnungsträger und wurde als Wegbereiter für die flächendeckende Verfügbarkeit von Breitband-Internet gesehen. Im Jahr 2000 bedeutete sie für die europäischen Finanzminister eine „Unterwartete Mehreinnahme zur Tilgung von Schulden" und riss große Löcher in die Kassen der Mobilfunkbetreiber. Danach wurde UMTS als Milliardengrab und Verschwendung tituliert oder einfach totgeschwiegen. Inzwischen ist die Phase der tatsächlichen Bewährung gekommen und das „Universal Mobile Telecommunication System" wird zum ersten Mal wirklich für den Endkunden greifbar sein.
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| Entwicklung der Bietersummen in den 173 Runden der Auktion |
Eine abschließende Bewertung von UMTS wird erst in einigen Jahren möglich sein. Bis dahin kann diese Arbeit als Momentaufnahme einen Blick auf das bisher Geschehene ermöglichen und ein Zwischenresumé liefern. Ich hoffe daher, dass sie auch für Nicht-Wirtschaftsinformatiker interessant ist!
Management Summary
Im Laufe des Jahres 2000 und Anfang 2001 wurden in ganz Europa Lizenzen für die neueste Generation der mobilen Telekommunikation vergeben. Alleine in Deutschland kam bei Versteigerung von sechs Mobilfunknetzen eine Auktionssumme von 50,4 Milliarden Euro zustande.
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| Umsatzentwicklung ausgewählter Sparten der Deutschen Telekom in den Jahren 1998 bis 2000 |
Bei der Auktion in Deutschland wuchs die Versteigerungssumme in schwindelerregende Höhen, da die etablierten Anbieter das Wettbewerbsfeld klein halten und die Newcomer auf keinen Fall bei der Vergabe leer ausgehen wollten. So stellt die deutsche Auktion auch einen Scheidepunkt in der öffentlichen Stimmungsentwicklung rund um das Thema UMTS dar. Nach Bekanntgabe des Auktionsergebnisses wuchs die Kritik an der gewaltigen Geldsumme, die von den beteiligten Unternehmen für die Lizenzen gezahlt wurde.
Die Telekommunikationsbranche rutschte im Jahr 2001 in eine umfassende Konsolidierung. Die Erfolgsaussichten von M-Commerce, mobilen Datendiensten und den meisten anderen Möglichkeiten des neuen Mobilfunks wurden vermehrt kritisch gesehen. An Stelle von ehrgeizigen Expansionsplänen wurden Kostensenkung und Schuldenabbau zur Kernstrategie der meisten Telefonfirmen. Kleinere Anbieter mussten angesichts erdrückender Finanzverbindlichkeiten aufgeben.
Der Aufbau der neuen UMTS-Angebote verlief bisher nur schleppend. In Deutschland werden die verbliebenen Anbieter erst Ende 2003 ihre neuen Netze starten. Die kleineren Anbieter werden mit dem Abbau ihrer Schulden große Schwierigkeiten haben. Die großen Marktführer können sich die horrenden Lizenzgebühren dank eines stark positiven Cash-Flows leichter leisten. Es ist jedoch nicht absehbar, ob UMTS mit den hohen Anlaufkosten jemals ein wirtschaftlicher Erfolg sein wird.
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© Stefan Plogmann, 1996-2008


